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So lernt ein Modell

Verändere echte Gewichte im Browser. Verfolge Vorhersage, Loss und Gradienten – und teste, ob das Gelernte auch bei neuen Bildern funktioniert.

Training · 20 Min. Einstieg · Stand 6. September 2026

Beispiele + ZielantwortenAngepasste Gewichte

Ein Fehler wird zum Lernsignal

Ein Modell «versteht» seine Fehler nicht wie ein Mensch. Du definierst eine Aufgabe und lieferst Beispiele mit Zielantworten. Das Modell berechnet eine Vorhersage. Eine Loss-Funktion gibt als Zahl an, wie weit diese vom Ziel entfernt ist. Die Trainingsschleife verändert Parameter so, dass dieser Fehler kleiner werden soll.

Ein Gewicht bestimmt, wie eine Eingabe in die Rechnung eingeht. Der Bias verschiebt die Entscheidung zusätzlich. Ein Gradient beschreibt die Änderungsrichtung des Loss bei kleinen Parameteränderungen. Beim Gradientenabstieg gehen wir ein Stück in die entgegengesetzte Richtung. Wie gross dieses Stück ist, legt die Lernrate fest.

Im folgenden Modell kannst du alle Parameter überblicken. Es verarbeitet nur vier Graustufenpixel und beantwortet «Ist links heller?». Die Rechnungen und Kurven entstehen tatsächlich in deinem Browser.

Trainiere ein Modell mit vier Pixeln.

Die Aufgabe lautet: Ist die linke Bildhälfte heller? Vier Pixelwerte gehen hinein, eine Wahrscheinlichkeit kommt heraus. Die vier Gewichte und ein Bias werden hier wirklich berechnet und verändert.

Erstes Trainingsbild

Zielantwort y = 1: Ja, links ist heller.

0 = schwarz, 1 = weiss. Reihenfolge: oben links, oben rechts, unten links, unten rechts.

Ein Update, vollständig nachvollziehbar

  1. Vorhersage

    p = 0,500. Das Modell ist unentschieden.

  2. Mit der Zielantwort vergleichen

    Loss = 0,693. Eine sicher richtige Vorhersage hätte einen kleineren Loss.

  3. Änderungsrichtung berechnen

    Der Gradient sagt, wie sich der Loss bei kleinen Gewichtsänderungen verändert.

  4. Gewichte aktualisieren

    w neu = w alt − Lernrate × Gradient

Die Rechnung mit Zahlen öffnen

z = w₁x₁ + w₂x₂ + w₃x₃ + w₄x₄ + b

p = 1 / (1 + exp(−z))

Loss = −[y ln(p) + (1−y) ln(1−p)]

∂Loss/∂wᵢ = (p−y)xᵢ

∂Loss/∂b = p−y

Vor dem ersten Schritt sind alle Gewichte und der Bias 0.

Noch kein Update. Mit JavaScript kannst du die Rechnung selbst ausführen.

Diese Parameter hat das Modell gerade.

w1
0,000
w2
0,000
w3
0,000
w4
0,000
Bias b
0,000

Alle Parameter starten bei null. Die Wahl der Trainingsbilder bestimmt, welche Regel sie lernen.

Trainingsfehler und neue Bilder vergleichen

Durchgezogen: TrainingslossGestrichelt: Validierungsloss

Beide mittleren Loss-Werte starten bei 0,693.

Diese zwei Bilder bleiben ausserhalb des Trainings.

Neue Aufnahme: links heller, dunkelNoch unentschieden
Neue Aufnahme: rechts heller, hellNoch unentschieden

Genau zwei künstliche Validierungsbilder. Ihr Ergebnis belegt keine Leistung eines VLM.

Datensätze und alle berechneten Messwerte

Jeder Schritt verwendet ein Trainingsbild, zyklisch in der gezeigten Reihenfolge. Zwei bzw. vier Updates ergeben hier einen vollständigen Durchlauf durch den jeweiligen Datensatz.

  • Nur zwei ähnliche Lichtverhältnisse: [1, 0.8, 1, 0.8] → 1; [0, 0.2, 0, 0.2] → 0
  • Helle und dunkle Beispiele auf beiden Seiten: [1, 0.8, 1, 0.8] → 1; [0, 0.2, 0, 0.2] → 0; [0.3, 0.05, 0.3, 0.05] → 1; [0.65, 0.9, 0.65, 0.9] → 0
Verlauf für den aktuell gewählten Datensatz
UpdateTrainingslossValidierungsloss
00,69310,6931

Das ist ein vollständiger kleiner Klassifikator, kein VLM. Er hat keine Transformer-Schichten und erzeugt keine Sprache. Der übertragbare Teil ist die Lernschleife: vorhersagen → Fehler messen → Gradienten berechnen → Parameter ändern → neue Daten prüfen. Alle Kurven entstehen aus diesen vier Pixeln und den angegebenen Datensätzen.

Rechne den ersten Schritt nach

Beginne mit «Nur zwei Lichtverhältnisse» und Lernrate 0,50. Drücke Ein Lernschritt. Das erste Bild hat die Werte [1; 0,8; 1; 0,8], das Ziel ist y = 1. Weil alle Gewichte zunächst null sind, ist die Vorhersage p = 0,5.

Der Fehlerterm p − y ist −0,5. Für das erste Gewicht ergibt sich der Gradient −0,5 × 1 = −0,5. Das Update lautet daher 0 − 0,5 × (−0,5) = 0,25. Die anderen Gewichte werden 0,20, 0,25, 0,20; der Bias wird 0,25. Für genau dasselbe Bild steigt die Wahrscheinlichkeit danach auf etwa 0,745.

Das Modell hat eine kleine Änderung vorgenommen, die zu diesem Beispiel passt. Ob sie auch eine gute allgemeine Regel ist, wissen wir dadurch noch nicht. Bei grossen Netzen berechnet Backpropagation die nötigen Ableitungen durch die einzelnen Rechenschritte mithilfe der Kettenregel. Ein Optimierer nutzt sie für die Parameterupdates. Die PyTorch-Anleitung zu automatischen Gradienten zeigt diesen Rechenweg in Code.

Warum wird das erste Gewicht grösser?

Deine Vermutung

Erklärung ansehen

Das Update ist w neu = w alt − Lernrate × Gradient. Es kann ein Gewicht erhöhen oder verringern. Die passende Richtung hängt vom Beispiel und vom aktuellen Modell ab.

Gute Trainingswerte können täuschen

Setze zurück und spiele 100 Schritte ab. Bei reduzierter Bewegung führt dieselbe Schaltfläche einzelne Schritte aus. Beobachte beide Kurven: Der Trainingsloss fällt, während der Fehler auf den zwei neuen Bildern steigt. Das Netz nutzt eine Abkürzung: In den Trainingsdaten bedeutet ein insgesamt helles Bild immer «links heller». Die rechten Pixel erhalten deshalb ebenfalls positive Gewichte.

Unsere zwei Validierungsbilder kehren genau diese Korrelation um: links heller bei dunklem Gesamtbild und rechts heller bei hellem Gesamtbild. Nach 100 Updates liegt der mittlere Trainingsloss hier bei etwa 0,057, der Validierungsloss bei 2,414. Beide neuen Bilder werden falsch entschieden. Das sind nachrechenbare Werte dieses kleinen Datensatzes.

Wähle jetzt Abwechslungsreiche Lichtverhältnisse. Das setzt die Gewichte zurück. Lasse mit derselben Lernrate wieder 100 Updates laufen. Nun kommen beide Anordnungen auch bei anderen Helligkeiten im Training vor. Die linken Gewichte werden positiv und die rechten negativ. Bei diesen zwei neuen Bildern fällt der Loss auf etwa 0,416, beide Entscheidungen stimmen. Zwei künstliche Beispiele reichen selbstverständlich nicht, um eine belastbare allgemeine Erkennungsrate zu messen.

Dein Experiment: Vermute zuerst, was eine grössere Lernrate verändert. Vergleiche dann vom gleichen Nullzustand aus die Werte 0,10 und 1,00. Achte auf Zwischenwerte und beide Kurven. Grössere Schritte können schneller vorankommen, aber auch stärker schwanken; «höher» ist keine allgemeine Qualitätsregel.

Ein Update ist hier ein einzelner Lernschritt. Eine Epoche bedeutet, dass alle Trainingsbeispiele einmal verwendet wurden. Bei zwei Bildern sind 100 Updates also 50 Epochen; bei vier Bildern 25. Gleiche Updatezahl und gleiche Epochenzahl sind unterschiedliche Vergleiche.

Der Trainingsloss sinkt, der Validierungsloss steigt. Was prüfst du zuerst?

Deine Vermutung

Erklärung ansehen

Trainingsdaten ändern die Parameter. Validierungsdaten helfen bei der Auswahl von Daten und Einstellungen. Ein separater, bis zum Schluss unbenutzter Testdatensatz prüft die fertige Entscheidung.

Wie daraus VLM-Training wird

Beim VLM gehen Bild und Frage hinein, und als Ziel dient eine geprüfte Textantwort. Der Loss wird über die Ziel-Token berechnet. Statt fünf Parametern gibt es sehr viele. Die Grundschleife bleibt: vorhersagen, mit dem Ziel vergleichen, Gradienten berechnen und die dafür freigegebenen Gewichte ändern.

Woher kommen die ersten Bildmerkmale? LLaVAs Bildencoder wurde bereits als Teil von CLIP vortrainiert. Dabei verarbeitet ein Bildencoder Fotos und ein Textencoder die zugehörigen Beschreibungen. Das Lernziel hebt passende Bild-Text-Paare gegenüber unpassenden Paaren im Batch hervor. Die Encodergewichte lernen dadurch Merkmale, die für diese Zuordnung nützlich sind. Dafür braucht es keine von Hand vergebenen Objektnamen pro Patch. CLIP-Originalpublikation

Auch das Sprachmodell bringt bereits gelernte Fähigkeiten mit. Das spätere VLM-Training muss diese vorhandenen Bausteine verbinden und an Bildfragen anpassen. In LLaVAs betrachtetem Rezept geschieht das in zwei weiteren Phasen:

PhaseWelche Gewichte ändern sich?Wozu?
AlignmentProjektorBildmerkmale für das vorhandene Sprachmodell nutzbar machen
Visuelles Instruction-TuningProjektor und SprachmodellBildbezogene Fragen anhand von Zielantworten bearbeiten
InferenzKeineMit gelernten Gewichten eine Antwort erzeugen

Der Bildencoder bleibt in diesen Phasen eingefroren, rechnet aber weiterhin mit. Andere Architekturen und Rezepte wählen andere trainierbare Teile. Die Originalpublikation und die LLaVA-1.5-Rezepte dokumentieren diesen Unterschied.

Für dein erstes Projekt musst du nicht sämtliche Grundfähigkeiten neu lernen lassen. Du kannst ein vorhandenes Modell prüfen und bei Bedarf an eine klar begrenzte Aufgabe anpassen. Im nächsten Teil bereitest du eigene Bild-Frage-Antwort-Daten vor und erhältst die passenden Python-Dateien.

Weiter: Ein VLM mit eigenen Bildern anpassen →

Von einer überprüfbaren Aufgabe bis zum Adapter und zum Vergleich auf neuen Fotos.

Quellen & weiterführende Dokumentation

Das hängt zusammen.

  • VLM

    Bilder verstehen

    Was passiert zwischen Foto und Antwort? Verfolge Pixel, Bildmerkmale und Sprache durch ein VLM – und finde heraus, was es dabei wirklich lernt.

    Bild + Frage → Textantwort
    15 Min. Einstieg
  • Fine-Tuning

    Ein VLM mit eigenen Bildern anpassen

    Eine konkrete Aufgabe, saubere Bilddaten und ein messbarer Vergleich: Bereite deinen ersten LoRA-Versuch vor – mit einem herunterladbaren Python-Lernpaket.

    Vortrainiertes VLM + eigene Beispiele → Adapter + Vergleich auf neuen Bildern
    25 Min. Einstieg